
Interview mit Dr. Michael Luther im BLICK
"Ich will mehr für Zwickau"
Vor der Wahl am 7. Juni
Oberbürgermeisterwahl
Interview mit Dr. Michael Luther im BLICK Zwickau
Zwickau. Dr. Michael Luther (59)wurde vom CDU-Stadtverband Zwickau als Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl am 7. Juni nominiert. Der Politiker war von 1990 bis 2013 Mitglied im Deutschen Bundestag und seit 2008 Kreisrat im Landkreis Zwickau sowie seit 2014 Stadtrat in Zwickau. Damit kann er wichtige Erfahrungen und Kontakte in die Waagschale werfen. Der BLICK sprach in dieser Woche mit ihm.
Herr Dr. Luther, Sie haben lange gezögert, bevor Sie Ihre Kandidatur für das Oberbürgermeisteramt bekannt gaben?
Ja, das war ein längerer Reifeprozeß. Ich habe mich im Jahr 2013 bewußt aus der Bundespolitik zurückgezogen und wollte meine Erfahrungen aus dieser Zeit zugunsten des Landkreises und der Stadt Zwickau einbringen. Erst als ich von verschiedenen Seiten innerhalb und außerhalb der CDU angesprochen wurde, habe ich mich entschlossen, meinen Hut in den Ring zu werfen. Ich finde, dass eine Alternative in einer Demokratie immer gut ist.
Welche Vorhaben wollen Sie im Falle einer Wahl in Angriff nehmen?
Ich finde Zwickau wird seiner Bedeutung als viertgrößte Stadt Sachsens noch nicht so gerecht, wie es sein könnte. Ich will mehr für Zwickau. Dazu gehört, den städtischen Haushalt mit Weitsicht planen und mehr Wirtschaftskraft zu generieren. Zwickau ist unbestritten eine soziale und sportfreundliche Stadt. Das ist gut so. Aber: 2019 endet der Solidarpakt. 2015 gibt die Stadt 210 Millionen Euro aus, wobei 40 Millionen Euro nur aus der Rücklage gedeckt werden können. Diese ist 2018 alle. Was dann? Eine wichtige städtische Geldquelle entspringt aus der lokalen Wirtschaftskraft. Diese muss gestärkt werden. Wir sind VW-Standort, dürfen uns darauf aber nicht ausruhen. Aktive Ansiedlungspolitik gibt es derzeit kaum.
Welche Impulse wollen Sie setzen?
Zwickau hat eine sehr gute Hochschule. Für die Kommunalpolitik spielt das jedoch kaum eine Rolle. Ein Zusammenwirken von Hochschule, lokaler mittelständiger Wirtschaft und Kommunalpolitik sollte innovative Ideen erzeugen, wohin sich der Wirtschaftsstandort Zwickau entwickeln soll. Wir brauchen Visionen für das Oberzentrum Zwickau.
Welche Visionen bewegen Sie?
Die Innenstadt ist das Herz einer Stadt. Zwickaus Zentrum war immer einen Einkaufsbummel wert. Ist das heute noch so? Heute gibt es nur noch wenige große Geschäfte. Das muss sich ändern. Auch nach 18 Uhr muss Zwickau leben. Wir müssen vorhandene Denkverbote aufbrechen und Neues ausprobieren. In Zwickau leben nur noch rund 90.000 Einwohner. Wir schrumpfen. Wir müssen mehr tun, damit Zwickau noch lebenswerter wird, um so den Trend umzukehren. Ich möchte jungen Leuten in Zwickau eine Zukunft bieten.
msz
Quelle: BLICK am Samstag, 23. Mai 2015