Michael Luther Wahl 2015

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28.05.2015 | Wer will, der kann - Portrait der Freien Presse
Er "will mehr für Zwickau": Michael Luther (58) tritt für die CDU zur OB-Wahl im Juni an. Foto: Ralph Köhler
   

Portrait der Freien Presse über den Oberbürgermeisterkandidaten der CDU, Dr. Michael Luther

Wer will, der kann

Nach 23 Jahren im Bundestag will er es nochmal wissen: Michael Luther kandidiert für den Posten des Oberbürgermeisters.

Von Christian Gesellmann

Zwickau - Will er nun oder will er nicht? Und was hat er eigentlich die letzten 23 Jahren in Berlin gemacht? - das waren die beiden häufigsten Fragen zur Oberbürgermeister-Kandidatur von Michael Luther. Dass er für den Posten ins Gespräch kam, war so unvermeidlich wie die Trainer-Frage bei einem Bundesliga-Klub, der vier Spiele nacheinander verloren hat. Nur mit umgekehrten Vorzeichen - denn die CDU ist in Sachsen sowas wie der FC Bayern im deutschen Fußball. "Wenn man für die CDU zu einer Wahl antritt, muss man auch damit rechnen, gewählt zu werden", sagte Luther folgerichtig beim Nominierungsparteitag des Stadtverbandes. Man müsse sich also gut überlegen, ob man antritt.

Als er 2013, nach fast einem Vierteljahrhundert im Bundestag, Berlin den Rücken kehrte, habe er nicht vorgehabt, einmal Oberbürgermeister von Zwickau zu werden. Der Katholik, der im November 1989 in die damalige CDU der DDR eintrat, ist seit 36 Jahren verheiratet, hat drei erwachsene Kinder (alle Vornamen in der Familie beginnen übrigens mit M, aber einen Martin gibt es nicht) und wollte sich erst mal viel Zeit für die Enkel nehmen. Aber dann wurde er Fraktionsvorsitzender im Kreistag und mit dem besten Einzelergebnis (6890 Stimmen) ein Jahr später Stadtrat. Einen anderen OB-Kandidat hatte die CDU nicht - und so "reifte der Gedanke" in Luther. Zum einen, sagt er, weil man, "wenn man im Stadtrat ist, feststellt, es gibt eine Reihe von Defiziten." Hier führt der 58-Jährige immer wieder die Finanzpolitik an. Die "Rückkehr zu einer seriösen Haushaltsführung" ist das Kernthema des Politikers, der im Bundestag unter anderem 13 Jahre im Haushaltsausschuss saß.

Den Ausschlag aber habe gegeben, dass ihn viele Menschen "innerhalb und außerhalb der CDU mit Nachdruck darum gebeten haben." Nur der Demokratie wegen, damit die CDU einen Kandidaten aufstellt, trete er nicht an. "Ich kann Ihnen heute sagen, ich will!", so Luther auf dem Nominierungsparteitag. Innerhalb der CDU ist er trotzdem nicht unumstritten - 53 von 75 anwesenden Mitgliedern stimmten Anfang Mai mit Ja für Luthers Kandidatur. Kritischen Fragen musste er sich an jenem Abend dennoch nicht stellen.

Und die eine unangenehme Frage stellte er selbst: "Ich müsste ja jetzt topfit sein, nachdem ich mich 20 Jahre im Bundestag ausgeruht habe? - mit Ausruhen hat das wenig zu tun, das ist ein Vollzeitjob, den ich auch immer gerne gemacht habe", sagte Luther. Dass sein Nachfolger im Bundestag, Carsten Körber, viel präsenter in der Region ist, kann man jedenfalls nicht sagen. Man muss aber auch sagen: Dass bei der öffentlichen Wahrnehmung der Tätigkeit als Volksvertreter mehr geht, beweist Sabine Zimmermann, die für die Linke im Bundestag sitzt und regelmäßig auch überregional arbeits- und sozialpolitische Themen setzt. Zimmermann meldete sich auch, als Luther im "Freie Presse"-Interview berichtete, dass er gemeinsam mit der 54-Jährigen zu denjenigen gehört habe, "die aus dem Bündnis gegen Rechts das Bündnis für Demokratie und Toleranz gemacht haben." "Das habe ich anders in Erinnerung", sagte Zimmermann. Nicht Luther, sondern Ex-OB Dietmar Vettermann sei maßgeblich gewesen.

Und was will Luther eigentlich? Vier Schwerpunkte hat der gebürtige Zwickauer, der 1987 an der Technischen Hochschule Karl-Marx-Stadt promovierte: Er will mehr Wirtschaftskraft generieren, unter anderem durch ein zusätzliches Gewerbegebiet und mehr Personal im Büro für Wirtschaftsförderung. Er will außerdem eine aktivere Zusammenarbeit von Hochschule, lokaler Wirtschaft und Politik, um neue Wirtschaftszweige anzusiedeln und mehr Hochschulabgänger in der Stadt zu halten. Um "Zwickau sichtbarer zu machen", brauche es zudem mehr kulturelle Höhepunkte - vor allem für die Jugend. Und als eine Maßnahme, um Leistungsträger zu locken oder sie hier zu behalten, will er für mehr "preiswerten Grund und Boden für den, der ein Eigenheim bauen will", sorgen.

Dass Luther will, steht also inzwischen außer Frage. Ob die Zwickauer auch ihn wollen, entscheidet sich am 7. Juni.

In einem Satz

1. Was ist für Sie das derzeit größte Problem in Zwickau?

Die Wirtschaftsförderung in Verbindung mit dem Stadtmarketing ist zu wenig leistungsfähig, um effektives Standortmarketing betreiben zu können.

2. Würden Sie die Zwickauer mehr als bisher an der Lokalpolitik teilhaben lassen - wenn ja, wie?

Vorhandene Instrumente wie Bürgerhaushalt und Einwohnerversammlungen sollten weiter ausgebaut und mehr direkte Bürgerbeteiligung sowie ein Jugendparlament ausprobiert werden.

3. Wie wollen Sie das Stadtmarketing organisieren?

Stadtmarketing muss unter Einbindung aller Beteiligten das Einkaufen, die gastronomische Vielfalt, die kulturelle Abwechslung und die gute Erreichbarkeit miteinander verbinden.

4. Was würden Sie tun, um jüngere Menschen in die Stadt (zurück) zu holen oder hier zu halten?

Es muss interessante Arbeitsplätze, genügend Betreuungsplätze, ein gutes Angebot für eine fundierte Bildung und Ausbildung geben; das Angebot an Kultur und Freizeitgestaltung muss jedem etwas bieten, die Infrastruktur stimmen und attraktiver Wohnraum vorhanden sein.

5. Wie würden Sie sicherstellen, dass die Kostengrenze für den Stadionbau von 21,5 Millionen Euro brutto nicht überschritten wird?

Ich hoffe, dass auch durch eine gute Kontrolle die Kostengrenze eingehalten wird, was ein ehrgeiziges Ziel ist.

Quelle:
Publikation: Freie Presse
Lokalausgabe: Zwickauer Zeitung
Erscheinungstag: Donnerstag, den 28. Mai 2015
Seite 11

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